Donald Trump gemäß haben die EU und ins­be­son­dere die Staa­ten des Schen­gen-Raums nicht genü­gend getan, um die Aus­brei­tung des Virus in die USA zu ver­hin­dern. In sei­ner Rede am 12. März 2020 mit­ge­führt: ein Port­fo­lio an Impli­ka­tio­nen oder Meta-Bot­schaf­ten, mit denen Trump ver­mut­lich aus die­ser nicht zuletzt töd­li­chen Krise einen per­sön­li­chen Nut­zen zu schla­gen ver­sucht. Was steckt in Sachen Kom­mu­ni­ka­tion hin­ter die­sem Vor­ge­hen, der Ver­laut­ba­rung eines Ein­rei­se­ver­bo­tes — über einen tat­säch­li­chen Ein­däm­mungs- bzw. Ver­lang­sa­mungs-Ver­such der Krank­heits­aus­brei­tung, wel­che ja zum Zeit­punkt die­ser Maß­nahme bereits in den USA ange­kom­men ist, hin­aus? Eine pri­vate Beobachtung.

Trump zufolge handle es sich bei Corona um ein — sinn­ge­mäß — »aus­län­di­sches Virus«. Dabei ein­kal­ku­liert ist wohl die fol­gende, wei­ter­füh­rende Inter­pre­ta­tion: ›Es han­delt sich um eine von außen her­an­ge­tra­gene Gefahr, zumin­dest mit­ver­ur­sacht durch einen unzu­ver­läs­si­gen Part­ner — daher besag­tes Ein­rei­se­ver­bot‹. Selbst­ver­ständ­lich kein Wort mehr davon, dass Prä­si­dent Trump letzte Woche noch keine Gefahr vom Virus aus­ge­hend beob­ach­ten konnte.

In die­sem Bei­trag soll keine Ver­harm­lo­sung der Pan­de­mie erfol­gen, sie wird nicht auf einen blo­ßen Anlass oder eine wei­tere Bühne im poli­ti­schen Thea­ter redu­ziert. Auch der unten erfol­gende Ver­gleich von kom­mu­ni­ka­ti­ven Mecha­nis­men Trumps mit dem seri­el­len Erzäh­len am Bei­spiel von TV-Serien bedeu­tet keine Rela­ti­vie­rung der mit dem Virus ver­bun­de­nen Krank­heit, son­dern dient ledig­lich der Ver­an­schau­li­chung. Viel­mehr geht es in die­sem Blog-Bei­trag darum, wie Popu­lis­ten solch eine Situa­tion für ihre eige­nen Ziele mehr oder weni­ger sub­til nut­zen und wel­che kom­mu­ni­ka­ti­ven Mecha­nis­men sie dabei zur Anwen­dung bringen. 

Das alles mag ange­sichts der tat­säch­li­chen momen­ta­nen Gefahr nicht wirk­lich wich­tig sein — aber: In der Hoff­nung, dass die Krank­heit eine starke Ver­lang­sa­mung oder Ein­däm­mung erfährt, wird die­ser Umstand für eine Zeit danach wich­tig — um etwas dar­aus zu ler­nen oder schlicht, wie wir gleich sehen wer­den, damit wir eigen­nüt­zige Men­schen nicht fälsch­li­cher­weise auch noch dafür, für ihre Eigen­nüt­zig­keit »fei­ern«.

Klar, hier soll nicht der Nai­vi­tät ver­fal­len wer­den, dass nicht jeder Mensch irgend­wel­che eige­nen Ziele ver­folgt oder Bedürf­nisse hat. Es geht darum, wie eine nicht zuletzt, das sei noch­mals gesagt, lebens­be­droh­li­che Situa­tion vor allem durch Kom­mu­ni­ka­tion unver­schämt für eigene Inter­es­sen genutzt wird. Und das bereits wäh­rend eines noch unge­wis­sen Aus­gangs der oder einer Krise.

Das Geschichteerzählen als eigennütziges — bisweilen konkurrenzloses — Instrument

Besagte Maß­nahme — das Ein­rei­se­ver­bote, die Geschichte der Schuld im Aus­land — gefällt (abseits besag­ter medi­zi­ni­sche Sinn- oder Nicht-Sinn-Haf­tig­keit, die hier nicht beur­teilt wer­den kann und soll) sicher­lich vie­len US-Wäh­lern oder Trumps Anhän­ger­schaft. Diese — so macht es regel­mä­ßig den Ein­druck (aus Sicht des Autors die­ses Bei­trags) — ist oft sehr wenig über den Rest der Welt infor­miert und glaubt, in einer Form von Para­dies zu leben. Eine Gefahr von außen ist damit umso glaub­haf­ter und bedient eine bereits eta­blierte Welt­sicht. Was wie­derum heißt, im Sinne inter­per­so­nel­ler bzw. indi­vi­du­el­ler Vor­be­halte wird sol­che eine Geschichte nicht als unbe­quem wahr­ge­nom­men — es han­delt sich um einen »Con­fir­ma­tion Bias«. 

Dar­über hin­aus bie­tet solch eine Geschichte fol­gende »Poten­tiale« für ihren Agitator: 

  • Sie — die Geschichte oder Erzäh­lung — lenkt von even­tu­el­len Ver­säum­nis­sen ab, kon­kret: in Sachen US-Gesund­heits­sys­tem, in Sachen Reak­ti­ons­zeit bzw. in Sachen Fehl­ein­schät­zung durch Trump selbst.
  • Sie bie­tet die Chance, als heroi­scher Mana­ger oder Füh­rungs­per­sön­lich­keit dazu­ste­hen, der bzw. die gegen eine aus­län­di­sche Gefahr agiert. Selbst wenn das nicht gelin­gen sollte, ist bereits jetzt der Samen gesät, dass die Schuld für ein even­tu­el­les Schei­tern woan­ders zu suchen ist.
  • Sie ist eine Fort­set­zung der Riva­li­tät zw. den USA und der EU. Ein »Abfär­ben« soll womög­lich erreicht wer­den — »Das mit der Krank­heit bekom­men die nicht hin, wie ist es dann um die Qua­li­tät ihrer Pro­dukte bestimmt, wie um ihre Ehr­lich­keit in den Deals mit ihnen?« Dabei soll der Part­ner in spe, die Markt-Aus­wei­tung auf Groß­bri­tan­nien sicher­lich eben­falls wei­ter gepuscht wer­den. Inso­fern bedient die­ses Vor­ge­hen in vie­ler­lei Hin­sicht ein wei­te­res Nar­ra­tiv, näm­lich das der Allein­stel­lung der USA zw. einem ten­den­zi­elle Iso­la­tio­nis­mus und gleich­zei­ti­ger wirt­schaft­li­cher Glo­ba­li­sie­rung (eine übri­gens para­doxe, aber mit dem nar­ra­ti­ven Über­bau »Ame­rica first« bedau­er­li­cher­weise bzw. dem Anschein nach gelin­gende Geschichte).

Serielle Festigung eines populistischen Narratives

Donald Trumps mehr oder min­der bewusste Stra­te­gie dahin­ter ist — mal wie­der (weil seine Tweets ja auch regel­mä­ßig mit Cliff­han­gern ver­se­hen wer­den) — eine seri­elle: die Eta­blie­rung eines Nar­ra­ti­ves, wel­ches seri­elle Züge trägt, min­des­tens ein ent­spre­chen­des Eta­blie­rungs­ver­fah­ren auf­weist: ein Gemisch näm­lich aus sta­gna­ti­ver Seria­li­tät und einer pro­gres­si­ven Form. ›Auf der Stelle tre­tend‹ inso­fern, da wie bei einer klas­si­schen Fern­seh­se­rie das bis­he­rig Gesche­hene stets ver­ges­sen wird. Aller­dings nicht nur bei den Figu­ren in der Serie wird nach jedem Aben­teuer oder Kri­mi­nal­fall, nach jeder Epi­sode, alles auf null gesetzt. Son­dern in gewis­ser Weise wird in die­sem Fall auch beim Zuschauer oder Wäh­ler ein Ver­ges­sen bemüht. 

Bei sol­chen Fern­seh­se­rien geht es darum, dass man ohne gro­ßes Wis­sen um die Welt in der Serie (die Figu­ren erklä­ren sich von selbst, ihre Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten sind neben­säch­lich, ihre Bezie­hungs­ge­flecht auch) wie­der oder gar neu ein­stei­gen kann, ein (wei­te­res) auf die Epi­sode begrenz­tes Aben­teuer erle­ben darf. Der regel­mä­ßige Zuschauer freut sich hin­ge­gen auf das Immer­glei­che bzw. die Varia­tion (der Ermitt­lungs­ar­beit zum Bei­spiel) und auf das ebenso begrenzte Ver­gnü­gen ohne lang­wie­rige Fort­set­zung (über die Epi­sode hin­aus) — er bzw. sie und div. weiß, was zu erwar­ten ist. 

Das Ansin­nen der Rhe­to­rik Trumps ist es nun — quasi wei­ter­füh­rend — von gro­ßen bis zu klei­nen The­men oder The­men-Abschnit­ten (dazu gleich) ein par­ti­el­les Ver­ges­sen aller­seits zu begüns­ti­gen — etwa hypo­the­tisch so: »Was inter­es­siert die letzte Woche und was ich da gesagt haben?« Dort, sozu­sa­gen als klei­ner The­men-Abschnitt oder als Epi­sode im Feld »Corona«, hatte er die Gefahr noch run­ter­ge­spielt oder keine gese­hen. Das ließe sich auch als Beschwich­ti­gungs­maß­nahme inter­pre­tie­ren — denn Panik hilft kei­nem. Zwei­fel an die­ser Absicht kom­men aller­dings auf, wenn dann ein star­kes Wachs­tums Erkrank­ter quasi aus­schließ­lich als von ande­ren ver­schul­det sein soll.

Aus einer spä­ten Reak­tion ließe sich nun natür­lich der Vor­wurf machen, Trump habe die Gefahr unter­schätzt. Aber bevor es soweit ist oder anders gesagt bevor ein über­zeu­gen­des Nar­ra­tiv von Trumps Kri­ti­kern ent­wi­ckelt wer­den konnte, wählt Trump wie gesagt eine neue Geschichte bzw. kre­iert eine wei­tere Epi­sode, die natür­lich als Blitz­ab­lei­ter fun­giert: die Gefahr von außen, der man sich nun hero­isch stel­len muss, deren Ver­ur­sa­cher man ggf. sogar — hypo­the­tisch gedacht — viel­leicht wirt­schaft­lich ›bestra­fen‹ müsste. 

Abseits einer seri­el­len Kom­po­nente wer­den hier auch fünf Ver­fah­ren von Popu­lis­ten offen­bar, denen von seriö­sen Poli­ti­kern oder Kom­mu­ni­ka­to­ren nur schwer­lich etwas ent­ge­gen zu set­zen ist: Schnel­lig­keit, Ver­kür­zung, selek­ti­ver Inhalt, Fan­ta­sie und Igno­ranz.

Das heißt übri­gens nicht, Fan­ta­sie sei etwas Nega­ti­ves. Man kann sie aber, wenn einem Fak­ten egal sind, oft zügel­lo­ser wal­ten las­sen und damit beson­ders Inter­es­san­tes her­vor­brin­gen. Die irrige Annahme, Geschich­ten seien nur was für Kin­der, wird mit Blick auf Kunst, Welt­li­te­ra­tur, Com­pu­ter­spiele oder hoch­wer­tige Fern­seh­se­rien ohne­hin als unzu­tref­fend über­führt. Geschich­ten kön­nen lehr­reich und mani­pu­la­tiv sein, sie üben in jedem Fall eine Anzie­hung auf uns Men­schen aus. Sie sind zudem ohne­hin unum­gäng­lich: Selbst die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung ist eine Form von Geschichte, die weit­ge­hend ver­in­ner­licht ist, ›über­all‹ funk­tio­niert und damit als seri­ell zu beschrei­ben ist.

Was gegen Ver­kür­zun­gen spricht: Kom­ple­xes ist oft nicht ein­fach zu ver­ste­hen, man müsste es daher erklä­ren oder »reframen«. Das heißt, man muss Wege fin­den, kom­plexe Sach­ver­halte anschau­lich zu machen — etwa, indem man eine Geschichte erzählt. Wie vor­her­ge­hend illus­triert sind Geschich­ten ja nicht pau­schal etwas Nega­ti­ves. Das aber ist Arbeit und bedeu­tet Zeit­auf­wand — nicht nur auf Sei­ten jener, die anschau­lich auf­be­rei­ten wol­len, son­dern immer auch auf derer, die ver­ste­hen wollen/sollen: Ver­ein­fa­chen ist oft wich­tig, stößt aber schnell an die Grenze zur unver­hält­nis­mä­ßig aus­las­sen­den Ver­kür­zung. Wir haben schon oben gese­hen, in einer glo­ba­li­sier­ten Welt einer Orga­ni­sa­tion Schuld zuzu­wei­sen, ist schon, gelinde gesagt, sehr, sehr verkürzt. 

Selbst wenn man Ver­säum­nisse benen­nen wollte (was viel­leicht, begrün­det oder nicht, das kann hier nicht ent­schie­den wer­den, pas­sie­ren wird), so muss doch fest­ge­hal­ten wer­den, dass die EU ebenso wie die USA die sozia­len bzw. wirt­schaft­li­chen Fol­gen von Grenz­schlie­ßun­gen etc. hat abwä­gen oder längst mög­lich hat her­aus­zö­gern wol­len. Auch ist die EU kein föde­ra­ler Staat, son­dern eine rela­tiv lockere Gemeib­schaft; daher und über­dies sind tota­li­täre Maß­nah­men in der EU sowie in den ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten nicht ohne Wei­te­res möglich.

Der womög­lich eigene Feh­ler (Unter­schät­zung des Virus durch Trump) wird durch ein — ver­meint­li­ches —von außen ange­tra­ge­nes Pro­blem ersetzt bzw. davon über­deckt, ganz schnell. Und diese Schnel­lig­keit ist, wenn etwas Hand und Fuß haben soll, kaum zu leis­ten. Anders gesagt: Wäh­rend sich Kri­ti­ker mit den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen oder dem letz­ten Tweet Trumps aus­ein­an­der­setz­ten, dort auf den jewei­li­gen Fak­ten-Nicht-Gehalt über­prü­fen, »haut« er schon wie­der eine Pro­vo­ka­tion raus, die das Vor­her­ge­hende ver­al­tet oder nich­tig, gar klei­ner wir­ken lässt. Noch­mal: Die Begrün­dung für das Ein­rei­se­ver­bot ist in Anbe­tracht einer glo­ba­li­sier­ten Welt — und das meint nicht nur die oft nega­tiv belegte wirt­schaft­li­che Kom­po­nente, son­dern viel­mehr die Zwi­schen­mensch­lich­keit im Sinne einer »Welt als Dorf« — sicher­lich eher als dürf­tig und pri­mär ablen­kend zu bewerten. 

Wür­den sich seriöse Men­schen für Ihre Fehl­ein­schät­zung ent­schul­di­gen oder zumin­dest dar­auf ver­wei­sen, dass die Lage sich rasant ver­än­dert habe und nun ein­sich­tig ein ande­res Vor­ge­hen erfor­der­lich gemacht hat (eben ein Ein­rei­se­ver­bot), igno­riert Trump das Vor­her­ge­gan­gene eige­ner Feder ganz. Oder schlägt Kri­tik oder ent­spre­chende Ver­weise ein­fach mit dem gewal­tig nach­hal­len­den Vor­wurf der Lüge umge­hend tot. »Und wer sich dann noch wie die EU recht­fer­tig, bestä­tigt letzt­lich nur, es nicht im Griff zu haben«, so erneut und ver­mut­lich die kal­ku­lierte Außen­wir­kung. Abge­se­hen von die­ser Aus­nahme blei­ben Trump und sein Team selek­tiv bei sich selbst — in die­sem Fall spre­chen sie quasi aus­schließ­lich davon, was er alles »tut« und der ver­meint­lich Schul­dige nicht getan hat. Was wie­derum zum Seri­el­len zurückführt.

Doch zuvor: Als mehr oder min­der stra­te­gisch zu beschrei­ben und damit bedingt als bewusst geplant zu bezeich­nen, ist der Gebrauch seri­el­ler For­men des­halb, weil Trump zwar zwei­fel­los ein natür­li­ches Talent zum Pro­vo­zie­ren und Erzäh­len hat. Die hier ange­ris­se­nen seri­el­len Stra­te­gien kön­nen, so meine Ver­mu­tung, durch ihn sehr wahr­schein­lich nicht bewusst benannt wer­den, mög­li­cher­weise viel­leicht jedoch durch sei­nen Kommunikationsstab.

Von stagnierender zur progressiven Serialität — um sich zum Helden zu stilisieren

Trumps Anhän­ger, und lei­der nicht nur die, erle­ben wie in einer Kri­mi­se­rie und deren Fall der Woche nun eine ver­meint­li­che »Schnei­dig­keit der Woche«. »Er haut wie­der einen neuen Spruch raus!« Was er letzte Woche gesagt hat, inter­es­siert wohl auch die Anhän­ger nicht wirk­lich, »es wird schon sei­nen Grund haben«. Bzw. diese Frage stellt sich auf Grund von vier Fak­to­ren nicht mehr oder nur wenig: Das ist noch­mal besagte Geschwin­dig­keit. Des Wei­te­ren ist eine Per­so­nen­kul­ti­vie­rung zu beob­ach­ten: Abs­trak­tio­nen wie poli­ti­sche Slo­gans oder eine Agenda, gar fun­dierte Kon­zepte mögen einen Reiz haben (im Sinne von ver­ei­nen­der, all­ge­mein­gül­ti­ger Ideen), ebenso aber auch Gren­zen. Eine »gute« oder, sagen wir, wahr­schein­lich bei einer weit­ge­fass­ten Ziel­gruppe funk­tio­nie­rende Geschichte fährt nicht schlecht, wenn sie Schur­ken und Held beinhal­tet. Und bei­des wird hier wie gese­hen ver­meint­lich gebo­ten. Hel­den nun kön­nen — wie­derum zei­gen viele Filme oder andere fik­tio­nale Geschich­ten, dass auch viel­schich­tige Figu­ren ver­stan­den wer­den — recht sim­pel daher­kom­men oder anders gesagt sehr unter­hin­ter­fragt akzep­tiert werden. 

Drit­ter Fak­tor ist die Über­bie­tun­gen oder Stei­ge­rung: »Das mag ja so gewe­sen sein, aber jetzt ist es viel schlim­mer, jetzt haben die ande­ren ver­sagt und wir müs­sen es aus­ba­den«, so viel­leicht eine denk­bare und erhoffte Reak­tion der Trump-Anhän­ger, wenn sie mit dem State­ments der vor­her­ge­hen­den Woche kon­fron­tiert wer­den würden. 

Noch Unent­schie­dene könn­ten zudem von die­ser ver­meint­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät selbst (im Ein­rei­se­ver­bot zumin­dest dem Anschein nach Aus­druck fin­dend) ange­zo­gen wer­den — so ein wei­te­res denk­ba­res, aber min­des­tens frag­wür­di­ges Kal­kül ange­sichts einer sich ver­brei­ten­den Krank­heit. Erreicht wird dies wie­derum durch die extreme Ver­kür­zung — »die da« oder »große Dinge« …

Das in den vor­her­ge­hen­den Punk­ten durch­schei­nende »Immer-Wie­der« und »Über­bie­ten« sol­len das Image Trumps natür­lich stär­ken oder aus­bauen — womit wir zu einer pro­gres­si­ven Form des Seri­el­len kom­men. Das meint, in die­ser Form von Seria­li­tät baut alles auf­ein­an­der auf. Die ein­zelne Folge ist ein Bau­stein einer durch­ge­hen­den Geschichte. 

Und tat­säch­lich, auf meh­re­ren Ebe­nen wird hier eine Fort­set­zung bemüht: Um eine Fort­set­zung han­delt es sich beim Nar­ra­tiv der Gefahr von außen inso­fern, als dass es vor­han­dene Welt­sich­ten (siehe oben) fort­führt, bedient oder bestä­tigt — zusam­men­ge­fasst »Insel­stel­lung USA«, »Sün­den­bock EU«. Eine pro­gres­sive Form ist sie auch daher, weil sie eines nicht ver­ges­sen machen will, näm­lich, wie auch immer das Ganze aus­geht, Schuld sind die ande­ren. Bei Erfolg ist man aber selbst für sel­bi­gen verantwortlich.

Übri­gens sowohl sta­gna­tiv und pro­gres­siv zu beschrei­ben ist ein hier hin­ein­wir­ken­der oder Unter­stüt­zung leis­ten­der Mecha­nis­mus: näm­lich eine Art Grup­pen­dy­na­mik. Die ein­ge­fleisch­ten Anhän­ger einer Ideo­lo­gie recht­fer­ti­gen sich durch ihren angeb­li­chen Son­der­sta­tus, ihren ver­meint­lich exklu­si­ven Zugang zur Wahr­heit, wes­we­gen sie gegen Kri­tik bis­wei­len immun wer­den bzw. unzu­gäng­lich wer­den für begrün­dete Zweifel. 

Ins­ge­samt erreicht man so, dass das eine (das Unter­schät­zen des Virus) ver­ges­sen und das andere (der heroi­sche Ein­satz) erin­nert wird.

Was kann man gegen solchen Populismus tun?

Das alles mag ernüch­ternd sein, muss es aber nicht: Viel­leicht illu­so­risch und nicht den Gepflo­gen­hei­ten der Diplo­ma­tie ent­spre­chend wäre es in der Reak­tion auf Trump durch die EU am Abend des 12. März sinn­voll gewe­sen, Trumps Stel­lung­nahme der ver­gan­ge­nen Woche (viel­leicht bewusst unkom­men­tiert) als Video ein­zu­spie­len. Aber wie ange­deu­tet würde auch diese (sub­tile) Ent­lar­vung Gefahr lau­fen, durch ein­ge­fleischte Anhän­ger igno­riert zu wer­den. Bei jenen aller­dings, die noch unschlüs­sig sind, könn­ten so (über das sub­ver­sive dar­ge­bo­tene Video) aller­dings Zwei­fel an den Moti­ven Trumps gesät wer­den. Denn natür­lich sind weder die Anhän­ger Trumps noch poten­ti­elle Sym­pa­thi­san­ten pau­schal als dumm zu bezeichnen.

Sicher­lich wäre es ange­sichts immer leich­ter zugäng­li­cher, nicht zuletzt digi­ta­ler Biblio­the­ken sinn­voll, sel­bige auch zu nut­zen, um mehr aus Feh­lern und dem Frü­he­ren zu ler­nen — denn da hier Geschil­derte ist ja alles andere als neu … Dafür — für solch ein Ler­nen — ist natür­lich ein par­ti­el­ler Bruch mit dem ›Dogma der Schnel­lig­keit‹ not­wen­dig: Sie wis­sen schon, sobald was Neues kommt, ist das Alte quasi ver­ges­sen. Ohne von Resi­gna­tion kün­dende Kli­schees à la »Schnell­le­big­keit unse­rer Zeit« (oder »Frü­her war alles bes­ser!«) zu bemü­hen, blei­ben durch­dachte Reak­tio­nen oft sinn­voll — auch wenn wie gese­hen damit in Fra­gen der Geschwin­dig­keit und Laut­stärke nicht an Popu­lis­ten her­an­ge­kom­men wer­den kann. Zu die­sem par­ti­el­len Ver­zicht auf Schnel­lig­keit gehört auch ein »Weni­ger-Bühne-Bie­ten« — wel­ches auch hier in die­sem Blog-Bei­trag natür­lich nicht wirk­lich unter­las­sen wurde.

Kon­zepte statt Per­so­nen­kult: Zwar ist es schluss­end­lich mensch­lich, Pro­jek­ti­ons­flä­chen wie Hel­den oder etwaige Per­so­nen der Poli­tik zu ver­eh­ren oder zu fokus­sie­ren. Doch muss dabei immer gefragt wer­den, ob Per­so­nen­kult oder ähn­li­che Phä­no­mene auch wirk­lich dau­er­haft funk­tio­nie­ren – einer­seits, weil ohne die Per­son man­ches schlicht nicht mehr oder lang­fris­tig klappt (etwa, wenn die Per­son nicht mehr zur Ver­fü­gung steht); ande­rer­seits, weil Kon­zepte etc. somit ins Hin­ter­tref­fen gera­ten (Das kann natür­lich im Inter­esse von Popu­lis­ten oder radi­ka­len Kräf­ten lie­gen, damit die eige­nen Ambi­tio­nen nicht zu durch­schau­bar und Feind­bil­der nicht hin­ter­fragt wer­den). Alleine die Dis­kus­sion um sol­che Mecha­nis­men bie­tet — zwar keine Garan­tie — aber eine Chance, Facet­ten etwai­ger kom­mu­ni­ka­ti­ver Kreis­läufe zu durchbrechen.

Aber wie so häu­fig in Sachen Bil­dung: Es geht ja um eine Chance. Inso­fern sind Medien‑, Kommunikations‑, gar Welt­kompetenz zen­trale Fähig­kei­ten — immer schon, jetzt beson­derns und zukün­fitg. Etwa in Form eines schu­li­schen Faches, das Poli­tik, Deutsch (≈ Nar­ra­tion), Öko­no­mie und Kunst etc. ver­bin­det = Trans­fer­leis­tun­gen anre­gen, über Fach­wis­sen hin­aus Fähig­kei­ten schaf­fen. Auch als Erwachsenenbuldung.

Heute kann ja jeder selbst zum Pro­du­zen­ten wer­den. Aus Sicht des Autors die­ses Blog aber geht die Schwere zw. pro­fes­sio­nel­ler Kom­mu­ni­ka­tion und dem Ama­teur­haf­ten mehr denn je aus­ein­an­der. Inso­fern muss über die Rele­vanz auf­be­rei­ten­der und erklä­ren­der Medien — meist in redak­tio­nel­ler Form — gespro­chen wer­den. Hier gilt es, Berufs­stände zu stär­ken. Und das meint aus Sicht des Autors auch, die Poten­ziale spe­zi­fi­scher Stu­di­en­gänge zu nut­zen. Geschulte inter­dis­zi­pli­näre Fähig­kei­ten, prak­ti­sches und theo­re­ti­sches Wis­sen und die dazu­ge­hö­ri­gen Fähig­kei­ten um Kom­mu­ni­ka­tion herum müs­sen Chan­cen erhal­ten, statt — ohne Abwer­tung, aber als Über­zeich­nung — »wis­sen­schaft­li­ches Stu­dium und dann ganz viel Pho­to­shop-Erfah­rung« für jeman­den der Publi­ka­tio­nen betreuen soll (≈ Tenor vie­ler Anzei­gen: Es fällt nicht schwer zu erken­nen, die eigent­li­che Qua­li­fi­ka­tion ist gelinde gesagt nicht ideal für die eig­net­lich Auf­gabe). Das meint etwa beson­ders in Bezug auf pro­fes­sio­nelle Kom­mu­ni­ka­to­ren: Abwä­gen. Oft wer­den gerade krude Aus­sa­gen Trumps rich­ti­ger­weise einem Fak­ten­check unter­zo­gen — und zahl­rei­che Unwahr­hei­ten ent­larvt. Aller­dings: Damit wird die krude Aus­sage auch über Trumps direkte Anhän­ger­schaft hin­aus ver­brei­tet. D. h. nicht, dass die Bot­schaf­ten auch geteilt wird, im Sinne von Zustim­mung erfah­ren. Den­noch erhöht sich die Reich­weite — auch weil (Stich­wort »Medien­kompetenz«) häu­fig nur Über­schrif­ten gele­sen wer­den. Trump — in sei­ner mehr oder min­der bewuss­ten, und zwar seri­ell-pro­vo­kan­ten Kom­mu­ni­ka­tion — würde es sicher­lich tref­fen, wenn weni­ger Gehör fin­det. Es wäre nicht die erste »Serie«, die auf­grund man­geln­der »Quo­ten« ein­ge­stellt wird.

Inso­fern bzw. weil Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten unab­hän­gig von den eben genann­ten Stel­len­be­schrei­bun­gen immer schon und heute mehr denn je rele­vant sind: Nicht nur über Kom. und Medien in einem weit­ge­fas­ten Sinne gilt es zu spre­chen, son­dern auch die prak­ti­schen Fähig­kei­ten dahin­ge­hend ver­bes­sern — eben weil par­teill durch jeden rea­li­sier­bar. Dazu gehört auch über die Art und Weise von Kom­mu­ni­ka­tion zu spre­chen: Trotz Effekt­ha­sche­rei und ver­meint­li­cher Schnell­le­big­keit muss mehr Kom­ple­xi­tät und mehr Erklä­ren gewagt wer­den. Das ist auch ein Pro­bleme im Ange­sicht der Corona-Krise, wel­ches die der­zei­ti­gen, und zwar reak­tan­ten Reak­tio­nen eini­ger Demons­trie­ren­der begüns­tigt haben mag. Hier ist nicht der Platz über Corona-Maß­nah­men zu dis­ku­tie­ren — Fakt ist, hier liegt eine Situa­tion vor, die so noch nie gege­ben war. Es geht um die Ret­tung von Leben. Und wer trotz die­ser Krise demons­triert, kann kaum von ein­ge­schränk­ter Mei­nungs­frei­heit sprechen. 

Aber ein klas­si­sches Pro­blem der Kom­mu­ni­ka­tion ist die Macht der Nega­tion: D. h., das Nichts kann einer­seits zu Unver­ständ­nis und Unbe­ha­gen füh­ren. Las­sen Sie also bes­ser den Satz fal­len »Kein Pro­blem«. Was ist kein? Und dann gleich­sam auch noch von Pro­blem spre­chen, wenn ja kei­nes da ist. Man kann eben nicht an etwas nicht den­ken. Ver­meint­lich als Wider­spruch: Ist das Nichts auch ins­ofenr mäch­tig, als dass es das Nicht-Pas­sierte ist, das Nicht-Gesche­hene. Bedau­er­lich: Ein Ter­ror­an­schlag schafft Auf­merk­sam­keit, des­sen Ver­hin­de­rung weit weni­ger. Wir wol­len hier keine Tier­ana­lo­gien bemü­hen nach dem Motto Archai­sches in uns allen reagiert eben nur auf Gesche­hen und nicht des­sen Aublei­ben wie manch Tiere nur auf Bewe­gung reagie­ren. Auf den kon­kre­ten Sach­ver­halt bezo­gen meint das bedau­er­li­cher­weise: Wenn nicht zahl­rei­che Toten sicht­bar sind, scheint die Gefahr nicht zu exis­tie­ren. Darum haben es auch popu­lis­ti­sche Agi­ta­to­ren­ein­fach: Wenn schon alles schief geht (ggf. sogar ein Ver­sa­gen attes­tier­bar wäre, spie­len sie sich als Macher auf — das ist in den USA, bis­wei­len auch in Groß­bri­ta­nien ein­drucks­voll zu beob­ach­ten. Das Ver­hin­dern hin­ge­gen wird mit Mistrauen qui­tiert. Inso­fern gilt auch hier, über sol­che Mecha­nis­men von Kom­mu­ni­ka­tion in einem weit­ge­fass­ten Sinne muss man auf­klä­ren. Oder via TV-Spots zum Bei­spiel das Grauen der Krank­heit prä­sen­ter bzw. Sach­ver­halte illus­tra­ti­ver zu machen. Es ist aus Sicht des Autors die­ses Tex­tes ein Feh­ler der Ver­ant­wort­lich hier­zu­lande — in Anbe­tracht gekonn­ter Ein­däm­mung, weit­sich­ti­gen Han­delns — nicht sofort mit der­ar­ti­gen Kam­pa­gnen aus Regie­rungs­hand oder der des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums begon­nen zu haben. Es bleibt zu fürch­ten, dass sich dies — trau­ri­ger­weise, auch als Zei­chen beding­ter Medien­kompetenz — rächen wird.

Das alles — der Wunsch nach Auf­klä­rung, die hier bemühte Auf­klä­rung — mag nicht­des­to­trotz allzu sehr idea­lis­tisch wir­ken, da eben Kurz­wei­li­ges und Lau­tes offen­bar erfolg­reich sind. Den­noch emp­fiehlt sich, die­sem Ver­hal­ten nicht hin­ter­her zu lau­fen, weil es bereits der­art ver­brei­tet ist, dass man sich damit nur als Nach­ah­mer ent­larvt und schließ­lich um bereits besetzte Posi­tio­nen buh­len müsste. 

Es gilt viel­mehr, einen Mit­tel­weg zu fin­den: Auch wenn es auf den ers­ten Blick anspruchs­voll ist, soll­ten Fak­ten und/oder Kon­zepte mit Sto­ry­tel­ling, als mit guten Geschich­ten ver­bun­den wer­den, um eine Anschau­lich­keit und Ein­gän­gig­keit her­zu­stel­len, ohne auf ver­fäl­schende Ver­ein­fa­chung zu set­zen. Und es würde hel­fen, der­ar­tige Dis­kus­sio­nen und ent­spre­chen­des Wis­sen in eine kana­li­sierte und bewusste Weise zu über­füh­ren — wie gesagt in das Fach »Kom­mu­ni­ka­tion« zum Beispiel. 



In jedem Fall wün­sche ich Ihnen und Ihrer Fami­lien, viel Kraft, vor allem Gesund­heit und einen guten Ver­lauf die­ser Krise, sodass wir uns als­bald wie­der unse­rem fried­li­chen und öffent­li­chen Leben wid­men können. Hahn Logo Textende

Texte aus der Feder von …

Dr. Sönke Hahn, Kommunikation

Erfahrungsschatz: Über 10 Jahre als ausgezeichneter Filmemacher und Designer — u. a. prämiert mit »Red Dot«, »iF Design Award« und »German Design Award«

Hintergrundwissen: interdisziplinäre Doktorarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar, wissenschaftliche Vorträge und Publikationen im Feld Kommunikation und Medien

kommunikation können. ist mein Antrieb und Motto. Es meint, Sie in Sachen Kom. und Medien unterstützen. Sie können mich zum Beispiel mit der Realisation Ihrer Kommunikation beauftragen. Besser noch: Sie stärken Ihre Fähigkeiten in Sachen Sachen Kom. und Medien. Damit Ihre unternehmerischen oder edukativen Botschaften ankommen, Sie sich aus dem Rauschen hervorheben. Medien-, gar Weltkompetenz weit über das hinaus, was gemeinhin mit »Medien« gemeint ist: Kommunikation können. beschreibt ein ganzheitliches Denken und Handeln: von Konzeption zur Realisation, von einzelnen Projekten über Kampagnen bis zu ganzen Unternehmen, verbessertes Innovationsmanagement oder fundiertes Employer Branding … für Unternehmen, Profis, Gründer*innen, Lehrende, Dozierende und Interessierte. All das anhand anschaulicher Seminare und Workshops.

Dr. Sönke Hahn, KOMMUNIKATION