Innenstadt-MangerIn in Oldenburg — gute Idee: Es gibt einiges zu tun, um das Herz der Stadt und den Präsenzhandel zu retten. Ob das mit der Stelle funktioniert, bleibt fraglich

7. Aug. 2020

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Innenstadt-MangerIn in Oldenburg — gute Idee: Es gibt einiges zu tun, um das Herz der Stadt und den Präsenzhandel zu retten. Ob das mit der Stelle funktioniert, bleibt fraglich

Die Stadt Olden­burg hat die Stelle eines/einer Innenstadtmanager/in aus­ge­lobt — um die Her­aus­for­de­rung der Corona-Krise und dar­über hin­aus einer sich wan­deln­den Geschäfts­welt anzu­ge­hen, Inter­es­sen zu koor­di­nie­ren und Lösun­gen für die Zukunft zu fin­den. Denn die in Rela­tion durch­aus über­durch­schnitt­lich große Innen­stadt Olden­burgs, gleich­sam das Herz der Stadt, ist mehr denn bereits in den letz­ten 20 Jah­ren in Gefahr. Inso­fern ist die gezielte Aus­ein­an­der­set­zung mit sel­bi­ger eine späte, aber gute Idee! Ein Blick auf die Aus­schrei­bung jedoch lässt ver­mu­ten, dass das Ganze nicht voll­ends in der gebo­te­nen Trag­weite erfasst wurde. Und/oder, dass wei­tere Motive hin­ter der avi­sier­ten Stelle ste­cken könn­ten. Motive, die impli­zie­ren, dass der Erfolg der hin­ter der Stelle ste­hen­den Auf­ga­ben nicht so ganz als wahr­schein­lich erach­tet wird. Es sei denn, es gibt sie wirk­lich, die eier­le­gende Wollmilchsau …

Herausforderungen, ohne Ende

Zunächst soll­ten wir uns klar machen, was auf den oder die Stelleninhaber/in zukommt. Zwi­schen die­sen Stüh­len befin­det sich die schließ­lich bestimmte Per­son oder, anders gesagt, die­sen Umstän­den, Ein­fluss­grö­ßen und Akteu­ren muss sich der oder die Stel­len­in­ha­bende annehmen:

  • Der Stadt­rat als Instanz ent­schei­den­der Bud­get­fra­gen zur Gestal­tung der Stadt + Agenda des Ver­wal­tungs­chefs, des Bür­ger­meis­ters: Und damit bis­wei­len ideo­lo­gi­sier­ter und gele­gent­lich wenig prag­ma­ti­scher Lokal­po­li­tik. Um nur ein Bei­spiel zu nen­nen: »Ver­ban­nung der Autos aus den Berei­chen rund um die Innen­stadt« obschon keine zen­trums­nahe Fahr­rad­sta­tion, bis­wei­len kein sau­be­res und siche­res Park-and-Ride für grö­ßere Ein­käufe, kör­per­lich ein­schränkte Men­schen, gar aus­wer­tige Anrei­sende zur Ver­fü­gung steht (Übri­gens Poli­tes­sen haben expli­zite Park­flä­chen — nicht für Fahr­rä­der, son­dern ihre Dienstwagen).
  • Wie bereits ange­klun­gen — die Ver­kehrs­lage: För­de­rung nicht nur umwelt­freund­li­cher Wege in die Stadt, son­dern über­haupt in die Stadt zu kom­men — ins­be­son­dere ange­sichts der ungüns­ti­gen (unko­or­di­nier­ten!) Kon­stel­la­tion von Bau­stel­len im Som­mer 2020 zum Beispiel.
  • Olden­bur­ger Poli­tik zw. poli­ti­schem Kar­rie­re­schritt und »die Stadt nie ver­las­sen haben«: Meint, dass nicht sel­ten Außen­ste­hende für eine begrenzte Zeit hier Stel­lung bezie­hen. Oft womög­lich auch, ohne eine Bezie­hung zu die­ser Stadt auf­zu­bauen, viel­leicht unter­be­wusst auf­bauen zu wol­len. Um schließ­lich auf Lan­des- oder Bun­des­ebe­nen wei­tere Kar­rie­re­stu­fen zu erklim­men. Das heißt gleich­sam nicht, man kann nur als gebür­ti­ger Olden­bur­ger hier Poli­tik machen. Ganz im Gegen­teil, denn das andere Pro­blem ist, dass — weil Olden­burg eben viel Lebens­qua­li­tät bie­tet — viele Olden­bur­ger Olden­burg nicht ver­las­sen haben. Daher ist oft ein gewis­ser Habi­tus ver­brei­tet, dass hier alles beson­ders toll sei oder anders gesagt: Betriebs­blind­heit kann sich ein­stel­len. Ent­spre­chend wur­den attrak­tive Flä­chen am Hafen, der quasi eine Erwei­te­rung der Innen­stadt sein könnte, gar nicht oder spät in ihrer Bedeu­tung erkannt.
  • Die oft nicht min­der ideo­lo­gi­sierte Öffent­lich­keit — einige Klas­si­ker: »Kapi­ta­lis­mus ist gut«, »Fahr­rä­der müs­sen auf die Straße« … immer öfter tref­fen sehr ver­ein­fachte, oft emo­tio­nal auf­ge­la­dene Hal­tun­gen unver­söhn­lich auf­ein­an­der. Das führt dann bis­wei­len lokal und kon­kret dazu, dass ein über den Ver­lauf des Weih­nachts­mark­tes auf­ge­stell­ter, mobi­ler Aus­sichts­turm, obschon abseh­bar nur für vier Wochen errich­tet, als »unpas­send« emp­fun­den wird. Da jeder heute Kom­mu­ni­ka­to­rIn sein kann, muss sich der oder die Stel­len­in­ha­be­rin mit einer Viel­zahl von direk­ten bis indi­rek­ten Äuße­run­gen aus­ein­an­der­setz­ten — oft sehr wahr­schein­lich lei­der auch über kon­struk­tive Kri­tik hin­aus per­sön­lich bis beleidigend.
  • Der Inter­es­sen­ver­tre­tung der Geschäfts­leute der Innen­stadt: deren Fokus natur­ge­ge­ben auf den eige­nen Zie­len lie­gen dürfte …
  • An den vor­her­ge­hen­den Punkt anschlie­ßend, aber nur in Tei­len: Den vie­len Ket­ten und den damit über­sicht­li­chen loka­len Anpas­sungs­mög­lich­kei­ten hat der oder die Stelleninhaber/in gewahr zu wer­den. So haben die ört­li­chen Fili­al­lei­ten­den nur begrenzte Kom­pe­ten­zen zur loka­len Indi­vi­dua­li­sie­rung ihres Geschäfts­mo­dells oder hin­sicht­lich der Teil­habe an even­tu­el­len Events.
  • Die Immo­bi­li­en­be­sit­zen­den und deren Hoff­nung auf Ein­nah­men, die im Geiste unse­rer Zeit — Stich­wort »Beton­gold« — sicher­lich ab und an auch den ver­brei­te­ten Glau­ben tei­len, die Mie­ten müss­ten sogar wei­ter steigen … 
  • Die Rea­li­tät zahl­rei­cher leer­ste­hen­der Laden­flä­chen, wel­che eben nicht für die (auch mie­ten-bedingte — siehe vor­her) Wirt­schaft­lich­keit der Fuß­gän­ger­zone spricht.
  • Soziale bis städ­te­pla­ne­ri­sche Impli­ka­tio­nen: sin­kende Attrak­ti­vi­tät, gar Ver­wahr­lo­sung der Innen­städte ähn­lich der vor 50 Jah­ren erfol­gen­den Ent­wick­lung in den USA: die ein­set­zende Ver­städ­te­rung der urba­nen Rand­ge­biete, Zer­sied­lung und (wie in den USA jüngst ersicht­lich wer­dend: letzt­lich schei­tern­der) Malls am Rande rei­ner Wohn­ge­biete. Hier ist auch die Tren­nung von Arbeit und Woh­nen zu dis­ku­tie­ren, die lange (umwelt­be­denk­li­che) Anfahr­ten einer­seits nötig macht, ande­rer­seits Stadt­teile über Stun­den, gar Tage ver­waist zurück­lässt (Sicher­heit). Damit ver­bun­den: die Arbeits­be­din­gun­gen in der Stadt. Statt auf Spe­zia­li­sie­rung in der Bera­tung zu set­zen (etwas, was online oft eher schwie­rig wird oder unzu­rei­chend aus­ge­prägt ist), wird immer mehr auf reine Aus­hilfs­be­schäf­ti­gung als Per­so­nal­mo­dell gesetzt.
  • Kul­tu­relle Impli­ka­tio­nen: Olden­burg ist eine durch­aus groß­flä­chige oder weit­läu­fige Stadt, da ist das (Auto-)Fahren in die Stadt nicht immer sinn­voll und gewünscht, aber bis­wei­len nötig. Das kul­tu­relle Rück­grat der Stadt, durch­aus auf die Gesamt­stadt und ihre Attrak­ti­vi­tät abfär­bend, befin­det ich im Zen­trum. Und muss geför­dert und attrak­ti­ver wer­den, darf gleich­sam aber nicht in hoch­kul­tu­relle Unzu­gäng­lich­keit (nur für »Gebil­dete« und Zah­lende) verfallen …
  • Die Aus­brei­tung ein­sei­ti­ger Unter­neh­mun­gen — Nagel­stu­dios, Han­dy­shops etc. Siehe dazu auch die vor­her­ge­hen­den Punkte … 
  • Der gelinde gesagt kon­trast­rei­che Zustand der Inner­stadt — zwi­schen altem, neuem, in bei­den Fäl­len offen­bar schwer zu rei­ni­gen­dem (feh­ler­haft gewähl­tem) Pflas­ter und schmut­zig Ecken. Hier lässt sich — in Bezug zu den kul­tu­rel­len Impli­ka­tio­nen — auch über die weni­gen, über die Klas­sik hin­aus­ge­hen­den archi­tek­to­ni­schen Reize der Stadt dis­ku­tie­ren (siehe oben die »Alles-ist-gut-so-Men­ta­li­tät«).
  • An den vor­her­ge­hen­den Punkt anschlie­ßend: Das pro­ble­ma­ti­sche Kon­zept bzw. die offen­bare Nicht­ab­stell­bar­keit über­füll­ter Müll­ei­mer und der Prä­senz von Ent­sor­gungs­fahr­zeu­gen wäh­rend der Ladenöffnungszeiten. 
  • Die Digi­ta­li­sie­rung ist ja bekannt­lich für alles — posi­tiv wie nega­tiv — ver­ant­wort­lich: An ande­rer Stelle ist bereits in die­sem Blog dar­auf ein­ge­gan­gen wor­den. Sicher­lich in Tei­len rich­ti­ger­weise damit ver­bun­den: das Online­ge­schäft als Kon­kur­renz zum Prä­senz­han­del. Aber auch hier muss man im Aus­ru­fen Vor­sicht wal­ten las­sen: Oft ist der Online­han­del eine ebenso beliebte Pro­jek­ti­ons­flä­che oder ein Blitz­ab­lei­ter — bei aller tat­säch­li­cher Kon­kur­renz auch, um von einer even­tu­el­len Kon­zept­lo­sig­keit abzu­len­ken. Etwa nied­ri­gen Prei­sen statt durch (online nur bedingt vor­han­dene) Bera­tung mit Dum­ping ent­ge­gen­ge­hal­ten zu haben.
  • Das Verkennen/Erkennen der Stadt und ihrer Poten­tiale: Stadt­teil­zen­tren stär­ken, lokale Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten in den Vier­teln vs. ein der größ­ten Fuß­gän­ger­zo­nen, ein für Tou­ris­ten und für die Lebens­qua­li­tät rele­van­tes Zentrum. 

Interdisziplinarität ist eine Antwort …

Inter­diszi­plinari­tät ist ana­log zur Stel­len­aus­schrei­bung für eine sol­che Stelle und das Hand­ling der dazu­ge­hö­ri­gen Fak­to­ren (siehe oben) unum­gäng­lich. Wir leben in einer Zeit kom­ple­xer Vor­gänge, die ent­spre­chende spe­zi­fi­sche Qua­li­fi­ka­tio­nen erfor­dern, bzw. in einer Zeit, die durch umfas­sende Kom­mu­ni­ka­tion offen­bart, wie viel­fäl­tig die Anfor­de­run­gen wirk­lich sind (frü­her blie­ben viele Sach­ver­halte durch die weni­gen media­len Anbie­ter oft im Ver­bor­gen). Da der hohe Grad an Spe­zia­li­sie­rung mit kon­kre­ten Vor­stel­lun­gen, ver­ein­facht einem bestimm­ten Sprach­ge­brauch oder bestimm­ten Emo­tio­nen ein­her­geht, kommt es zu Grä­ben zw. ver­schie­dene Akteu­ren. Daher braucht es Brü­cken­bauer, die koor­di­nie­ren und ver­mit­teln. Sehr rich­tig also, eine inter­dis­zi­pli­näre Aus­rich­tung einzufordern. 

Es geht bei die­sem Brü­cken­bau auch oder vor allem um Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten. Diese sind zwar in der Aus­schrei­bung gefor­dert, bes­ser wäre viel­leicht, eine über Mar­ke­ting hin­aus­ge­hende Qua­li­fi­ka­tion in Kom­mu­ni­ka­tion oder Medien zu ver­lan­gen, um den Anfor­de­run­gen der Stelle gerecht zu wer­den. Denn Medien‑, Kom.- und Design-Stu­di­en­gänge und ent­spre­chende Berufs­er­fah­rung leh­ren über die diver­sen und unter­schied­lichs­ten Pro­jekte hin­weg die unbe­dingte Not­wen­dig­keit, sich auf ver­schie­dene Inter­es­sen ein­zu­las­sen, zw. ihnen zu ver­mit­teln. Und dabei ana­ly­tisch vor­zu­ge­hen, um nach­hal­tige Lösung zu schaf­fen, gar Inno­va­tio­nen zu kre­ieren. Aber wie der Autor die­ses Blogs lei­der oft beob­ach­ten muss, wird die­ser Aspekt unterschätzt.

… aber nicht die einzige Antwort: Spezialisierung und Teamwork

Unsere Zeit braucht wie gese­hen eben auch Spe­zia­li­sie­run­gen, die von einer Per­son nur im Tei­len zu leis­ten sind — trotz eines inter­dis­zi­pli­nä­ren Hin­ter­grun­des. Inso­fern stößt ein Einzelkämpfer/eine Ein­zel­kämp­fe­rin sehr wahr­schein­lich schnell an seine/ihre Gren­zen, alleine schon der Ansprech­part­ner und der not­wen­di­gen Krea­tiv­leis­tung hal­ber. Um die Anfor­de­run­gen der Stelle bzw. der der­zei­ti­gen Situa­tion anzu­ge­hen, bräuchte es idea­ler­weise ein Team aus: 

  • SekretärIn/ProjektmanagerIn: für externe Kom­mu­ni­ka­tion, Koor­di­na­tion, Verwaltung/Empfang, um Anfra­gen zu sam­meln, zu beantworten
  • Mar­ke­ting-Fach­kraft: Ent­wick­lung von Strategien
  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­perte: als Refe­ren­tin, zur Auf­be­rei­tung, Ver­mitt­lung und Media­tion, als Kon­zep­te­rIn für Kampagnen/Design und Analyse
  • Betriebs­wir­tin: Über­prü­fung etwai­ger Kon­zepte auf finan­zi­elle Validität …
  • Urba­nis­tIn: Bewer­tung städ­te­pla­ne­ri­scher Ent­wick­lun­gen, Konzepte
  • IT-Fach­kraft: Poten­tiale für die Ver­bin­dung »online« und »prä­senz« zei­gen, ver­mit­teln, par­ti­elle Imple­men­tie­rung, Kopp­lung exter­ner Part­ner zur Realisation
  • Umwelt und Mobi­li­täts­ex­perte: sach­li­ches Abwä­gen und Berech­nen von Umwelt­fak­to­ren, Mobilitätsförderung
  • Inter­dis­zi­pli­näre Lei­tung (mit kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­zo­ge­nem Hintergrund)

Die Stelle wird wohl inner­halb der Wirt­schafts­för­de­rung Olden­burg ange­setzt sein, was einer­seits den effi­zi­en­ten Rück­griff auf bestehende Res­sour­cen und Netz­werke erlaubt, ander­seits die Eigen­stän­dig­keit der Unter­neh­mung bzw. der Stelle nicht unbe­dingt ver­ein­facht. Inner­halb der Innen­stadt mit dem ski­zier­ten Team Stel­lung zu bezie­hen (statt nur zen­trums­nah), würde nicht nur außen­wirk­sam die Inten­tion des Vor­ha­bens unter­strei­chen, son­dern auch die Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit unter­stüt­zen. Zudem bräuchte es in Tei­len ein eige­nes Bud­get, um auch koor­di­nie­rende Maß­nah­men ohne lange Ver­wal­tungs­akte zu rea­li­sie­ren — und sei es nur, um ein reprä­sen­ta­ti­ves Zusam­men­kom­men ver­schie­de­ner Inter­es­sen­grup­pen als Work­shop zu ermöglichen.

Wie also soll eine ein­zelne Per­son das leisten?

Und dann ist da noch die recht bescheidene Vergütung

Sie kün­det nicht unbe­dingt vom größ­ten Ver­trauen sei­tens der Aus­schei­ben­den in die Stelle oder die Rea­li­sier­bar­keit des Anlie­gens: näm­lich TV-11. Nur im Ver­gleich: ein wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an einer Uni (oft mit Mas­ter oder zumin­dest Diplom) hat, abseits der sicher­lich nicht zu unter­schät­zen­den Ver­ant­wor­tung in der Lehre, in der For­schung und ggf. in der Orga­ni­sa­tion von Kon­fe­ren­zen und Publi­ka­tio­nen sowie regel­mä­ßig hin­sicht­lich der Her­aus­for­de­run­gen einer Dis­ser­ta­tion, nicht den zu erwar­ten­den Druck der­art vie­ler Inter­es­sen­gruppe und Fak­to­ren zu ertra­gen. Und doch geht es dort meist mit TV-13 los. 

Als Ein­zel­kämp­fe­rIn muss sich die/der Mana­ge­rIn hier sehr wahr­schein­lich recht allein einer Masse an Anfra­gen wie Mail, Tele­fon etc. stel­len; auf sich alleine gestellt Kon­zepte ent­wi­ckeln. Dafür ist die Stelle unter­be­zahlt und moti­viert nur wenig, sich über die ver­trag­li­che Stun­den­zahl hin­aus zu enga­gie­ren. Aber das wird unwei­ger­lich nötig, wenn denn etwas bewegt wer­den soll. 

Ist die Stelle als Blitzableiter gedacht?

Inso­fern ist die Idee hin­ter die­ser Stelle womög­lich auch, einen kurz­zei­ti­gen Effekt erzie­len zu wol­len — eben das Pro­blem­feld »Innen­stadt« betref­fend mit der Aus­schrei­bung öffent­lich­keits­wirk­sam als »ange­gan­gen« zu mar­kie­ren. Eine beru­hi­gende Wir­kung soll erzeugt wer­den. Lang­fris­tig wird so aber auch eine Pro­jek­ti­ons­flä­che geschaf­fen, die als Blitz­ab­lei­ter fun­giert und von eta­blier­ten Akteu­ren abzu­len­ken ver­mag. Oder, anders gesagt, diese aus der Schuss­li­nie neh­men kann. Das mag ange­sichts der Her­aus­for­de­rung und ange­sichts der bedau­er­lich erfolg­rei­chen Wir­kung von Sün­den­bö­cken ver­mut­lich durch­aus funk­tio­nie­ren, aber das Ange­hen der tat­säch­li­chen, eben über Corona hin­zu­ge­hen­den Pro­bleme wird damit nicht möglich.

Diese kri­ti­schen Anmer­kun­gen soll hier nicht unkon­struk­tiv ste­hen gelas­sen wer­den — abschlie­ßend seien noch einige Ansatz­punkte zu nennen: 

Ansatzpunkte, um etwas zu bewegen

  • Neu­ori­en­tie­rung »Prä­senz + Online« 1: Stores als Show­room, als Bera­tungs­raum, als Test­raum — das ist online näm­lich immer noch unzu­rei­chend, würde ggf. zusätz­lich auch die Rück­sen­de­men­gen redu­zie­ren. Ggf. auch mit Ein­tritt: das Betre­ten des Bera­tungs­raums — um die Wer­tig­keit des Gezeigten/des Ermög­lich­ten zu beto­nen ≈ Stich­wort »Was nichts kos­tet, hat kei­nen Wert«.
  • Neu­ori­en­tie­rung »Prä­senz + Online« 2: als Abhol­ort, Inven­tar online. Wer im Prä­senz­han­del ein­kauft, will — neben viele wei­te­ren Fak­to­ren — etwas sofort mit­neh­men kön­nen. Blöd nur und beson­ders frus­trie­rend: Ohne das Gewünschte nach Hause kom­men, weil es dort nicht zu fin­den oder vor­han­den war. Man könnte anru­fen, aber oft fehlt es an Per­so­nal, der­ar­tige Fra­gen zu beant­wor­ten. Des­halb sollte das Inven­tar online ein­seh­bar sein, am bes­ten mit Angabe des spe­zi­fi­schen Fundortes.
  • Das funk­tio­niert nur in Ver­bin­dung mit einer auch kurz­fris­tige Besu­che ermög­li­chen­den Innen­stadt: Aus­bau von siche­ren Abstell­plät­zen für Fahr­rä­der, schnel­les Park and Ride. Sau­ber und sicher sollte es auch sein. Mög­lich wäre hier auch ein »Innen­stadt­lie­fer­dienst«, wel­cher Aus­ge­wähl­tes — geschäfts­über­grei­fend — sam­melt und den zum Bei­spiel rad­fah­ren­den Besu­chen­den nach Haus liefert.
  • Aus­bau: kas­sen­lo­ses Ein­kau­fen, ein­fa­cher und unkom­pli­zier­ter für die Kun­den, lang­fris­tig Per­so­nal­kos­ten ein­spa­rend (an der Kasse), Res­sour­cen für Bera­tung wer­den frei (siehe ers­ten Punkt)
  • Gestal­tung der Innen­stadt: pfle­ge­leich­tes Pflas­ter; ein­heit­lich oder Stra­ßen mit eig­ner Identität?
  • Mehr Ruhe und Rast­zo­nen, um zum Ver­wei­len einzuladen.
  • »Die Stadt als Forum«. In der heu­ti­gen Zeit kann sich jeder, kann sich jede Gruppe indi­vi­du­ell und frei­heit­lich aus­drü­cken. Daher kann es auch pas­sie­ren, dass Dia­loge zw. ver­schie­dene Men­schen pro­ble­ma­ti­scher wer­den, weil es nicht mehr die eine Basis, die eine TV-Sen­dung — »wie frü­her« — gibt. Das braucht man nicht bedau­ern, es braucht neue Wege des Aus­tau­sches — das kann die Innen­stadt. Pro­test und andere Ange­le­gen­hei­ten könn­ten kana­li­siert (ohne Zen­sur und Ein­griff) wer­den, um einen Aus­tausch zu ermög­li­chen — zum Bei­spiel durch ein dem anti­ken Rostra ent­spre­chen­des Podium …
  • »Die Stadt als Kul­tur­zen­trum« — mit dem vor­he­ri­gen Punkt einhergehend:Mag eine Aus­las­tung mit Geschäf­ten wie frü­her auch nicht erreicht wer­den, kann der Raum der Innen­stadt als Wis­sens- und Kul­tur­ort genutzt wer­den: Depart­ments der Uni, von Kunst­schu­len etc. So würde ein für unsere kom­plexe Zeit not­wen­di­ger Wis­sens­trans­fer, ein Brü­cken­bau über die Stelle hin­aus in der rea­len Welt erfol­gen kön­nen — nah bei den Men­schen, ohne dass sie bestimmte Ort am Stadt­rand oder in ande­ren Vier­teln auf­su­chen müss­ten. So wird sozia­ler Aus­tausch mög­lich — über ver­schie­dene Men­schen­grup­pen hin­aus. So würde eine bestän­dige Besu­cher­zahl bestehen­den Loka­len und Geschäf­ten zuträg­lich sein. Und viel­leicht auch zum Ein­kauf verlocken.
  • Han­del und Kul­tur soll­ten daher auch mal mit­ein­an­der koope­rie­ren — Kli­schees über deren Unver­ein­bar­keit müs­sen über­wun­den wer­den. Hier kann auch das Pro­gramm an Stra­ßen­mu­sik und Per­for­mance kura­tiert (im Sinne von Unter­stüt­zung, nicht Zen­sur) wer­den, um gerade jun­gen Leu­ten mehr öffent­lich­keits­wirk­same Teil­habe und Aus­drucks­for­men zu ermög­li­chen. Dabei sollte es Spe­zi­el­les und Expe­ri­men­tel­les geben — also Ange­bote zw. Her­aus­for­de­rung und Zugäng­lich­keit (Ver­ste­hen kön­nen …). Es sind per­for­ma­tive bzw. nar­ra­tive Auf­be­rei­tung von Muse­ums­in­hal­ten denk­bar oder ver­stärkt zu ent­wi­ckeln, um Anzugs­punkte auch für Men­schen zu errei­chen, die nicht nur Texte unter Schau­ta­fel lesen wol­len. Die ange­strebte Koope­ra­tion von City­ma­nage­ment und Tou­ris­tik könnte dies­be­züg­lich ein ers­ter Schritt sein.
  • Balance her­stel­len: Kul­tur- und Kom­merz-Platz — ja, aber auch: die Stadt als Wohn­ort, um sie kon­tant leben­dig und sicher zu hal­ten, ggf. kurze Anrei­se­wege zur Arbeit zu schaffen.
  • Archi­tek­to­ni­sche Stär­kung — neue Kul­tur- oder Pres­ti­ge­stand­orte über vor­han­dene Bau­sub­stanz hin­aus: Sich nicht nur an den (nicht zuletzt feu­dal) ent­stan­de­nen Orten erfreuen, die vor Jahr­hun­der­ten kre­iert wur­den — neue und mutige Akzente set­zen ( ≈ Medi­en­ha­fen Düs­sel­dorf etc.) .
  • Die Stadt als Immo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer: Ver­waiste Objekte, soweit mög­lich, ggf. städ­tisch nut­zen, für Kul­tur etc. zur Ver­fü­gung stellen.
  • Kos­ten­lo­ses WLAN in der City bzw. Aus­bau der ent­spre­chend vor­han­de­nen Ange­bote bzw. den gene­rel­len Emp­fang überprüfen

Nicht­des­to­trotz und obschon der ungüns­ti­gen Aus­gangs­lage wün­schen ich der küns­ti­gen / dem künf­ti­gen Stel­len­in­ha­be­rIn alles Gute. Hahn Logo Textende

Texte aus der Feder von …

Dr. Sönke Hahn

Erfahrungsschatz: Über 10 Jahre als ausgezeichneter Filmemacher und Designer — u. a. prämiert mit »Red Dot«, »iF Design Award« und »German Design Award«

Hintergrundwissen: interdisziplinäre Doktorarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar, wissenschaftliche Vorträge und Publikationen im Feld Kommunikation und Medien

kommunikation können. ist mein Antrieb und Motto. Es meint, Sie in Sachen Kom. und Medien unterstützen. Sie können mich zum Beispiel mit der Realisation Ihrer Kommunikation beauftragen. Besser noch: Sie stärken Ihre Fähigkeiten in Sachen Sachen Kom. und Medien — mit meinen Fortbildungen: 

Dr. Sönke Hahn, KOMMUNIKATION